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Geschichte

 

 

 

In Rot eine ausgerissene, grüne Tanne, oben begleitet von zwei goldenen Sternen. Das Wappen ist schon anfangs des 19. Jahr-
hunderts nachgewiesen. Anlehnung an das Wappen der alten Landschaft Emmental, zu der Eggiwil zwar nicht gehörte. Sowohl die heutige Zugehörigkeit zum Emmental, als auch der Waldreichtm der Gegend rechtfertigen aber das Wappen. Vom Gemeinderat bestätigt am 3. März 1945 (Lerch GW Signau; Wappenb. Kt. BE; Wappen d. Schw. 7,239)

 

Aus der Geschichte von Eggiwil
 
Heimat ist für uns da, wo wir uns wohl fühlen trotz allem Schweren, das uns oft belastet. Wo wir mit unseren Angehörigen und für unsere Angehörigen unser täglich Brot verdienen mit unseren Nachbarn täglich Brot verdienen, mit unseren Nachbarn Freud und Leid teilen, uns immer wieder freuen an den verborgenen Schönheiten der Landschaft, wo wir verwurzelt sind, da ist unsere Heimat.
  
Die Geschichte seiner engern Heimat kennen, das gibt kräftige Wurzeln. Vertiefen wir uns in die Geschichte von Eggiwil. 
 
 
Urzeitliches Leben
 
Es ist wahrscheinlich, dass das Emmental erst in der Bronzezeit (2000 bis 850 v. Chr.) gerodet und in manchen Höhenlagen auch geackert worden ist. Der Betrieb der Bronzegiessereien an den Eingängen zu den Alpentälern hatte eine starke Abholzung und Rodung der Voralpenwälder zur Folge. – Auf dem Rothengrat wurde eine Bronze-Randaxt aus dieser Zeit gefunden.

 

 

Am Ende der Urzeit siedelte sich ein Wandervolk in unserer Gegend an: die Helvetier (850 bis 58 v. Chr.), ein Stamm der Kelten. Sie waren grosse, blonde Leute mit Rundköpfen. Die Beine steckten in einer engen, langen Hose.

Ärmeljacke und karierter Kragenmantel bildeten das Oberkleid. Hals und Arme trugen reichen, goldenen Schmuck.

Forscher vermuten, die Helvetier hätten im Emmental eine Grenzzone mit befestigten Ringwällen als Stützpunkte zum Schutze gegen die immer kraftvoller vordrängenden Germanen errichtet. In unserer Gegend auf dem Schweissberg, Punkt 959.9.

Im ganzen Emmental ist keine einzige Fundschicht mit Werkzeugen und Tongefässen aus der Steinzeit (3000 bis 2000 v. Chr.) zum Vorschein gekommen.
 

 

 

 

Römerzeit (58 v. Chr. bis 454 n. Chr.)
 
Die römische Kultur ist an unserem Wald- und Weideland vorbeigegangen, ohne dauernde Spuren zu hinterlassen. Vereinzelte verlorengegangene Münzen, die in Eggiwil gefunden wurden, können nicht als Zeugen römischer Siedlungen gelten.



























































































































1648



































































1653




  
  
  
 






















































1798
















































































































1806


































  
  


  

1817








1903


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 














 
2010


   
Zeit der Germanen (Alemannen und Burgunder)
  

Im Jahre 454 mussten die Römer Helvetien räumen. Nach und nach drangen die Alemannen in das Tal der Emme ein, rodeten den Wald, siedelten sich hauptsächlich auf den Talterrassen an und bauten hier ihre Blockhütten.

Dass das Emmental durch die Alemannen verhältnismässig spät besiedelt wurde, ergibt sich aus den
 
 
Ortsnamen

  
Während die alemannischen Orte, deren Namen mit «ingen» oder «igen» enden, aus dem 5. oder 6. Jahrhundert stammen (Konolfingen, Münsingen), tauchen die «…wil»-Orte erst im 8. Jahrhundert auf. Eggiwil: Weiler des Eggo, das heisst etwa: des Schwertstarken. 
  
 
Orts-, Fluss- und Bergnamen
   
Emme: keltisch ambis = starke Strömung, Bergbach. Hohgant: Gant = Felstrümmer. Siehen: Siha, Sihe = eine Senkung, in der das Wasser sumpfbildend sitzen bleibt. Leber: Kann von Flachs kommen, kann aber auch auf künstliche Gesteinshügel hindeuten. Kapf: verwandt mit Kopf. Das Wort "Chapf" gehört in die germanische Wortfamilie von althochdeutsch "chapfen", d.h. "mit offenem Mund schauen", in englisch "to gape" - "den Mund aufreissen, schauen, glotzen, ...". Horben: «Horo» bedeutet sumpfigen, nassen Boden. Aeschau: «Asch» kann sowohl Speer als auch Esche bedeuten, aber auch Acker. Brach: Althochdeutsch braha. Bezeichnete bei der Dreifelderwirtschaft das brachliegende Feld, das im Frühling zur Weide benützt wurde. Gumme: Französisch = Combe; gallisch kumba = Mulde im Gelände. Leimen: Wo viel Leim, Lehm ist. Zihlmatt: Zil heisst auch Grenze. Folz: Fouz, Faus, Fons, Fontes = Brunnen.

Möglicherweise Bezeichnung aus der Römerzeit. Senggen: Von Sengen, verbrennen. Weist darauf hin, wie man hier das Ackerland dem Wald abgetrotzt hat. Schwändi: Schwenten, schneiden, abholzen. Rüti, Rütene: Ausgraben von Bäumen und Sträuchern.
   
 
  

Von Freiherren und Rittern

Die Edlen von Eggenwyl waren Dienstmannen der Kyburger. Ulrich von Eggenwyle war Zeuge beim Verkauf Thuns an Bern. – Heinrich von Eggenwyle: Burger von Burgdorf, Vogt zu Landshut, Schultheiss in Thun, starb 1364. Eine Stammburg im Tale von Eggiwil ist nicht nachzuweisen.
  
 
Die Freiherren von Schweinsberg

Als Kaiser Friedrich 1. (Barbarossa) im Jahre 1162 nach Oberitalien zog und dabei Mailand zerstörte, waren auch die Freiherren von Schweinsberg beim Heer. Am Tegernsee im bayerischen Hochland hatten sie ihren Stammsitz. Nach dem Kriegszug erhielten sie vom Kaiser Güter im Oberemmental zu Lehen («Eschau, genannt zur alten Müli, dann die Güter zu Dieboldswyle und Dieboldsbach, das Wald- und Weidegebiet auf Kapf [Schweissberg], Neuenschwand und Hälischwand»). Sie bauten über der Reberei bei Horben eine einfache Burg, später eine zweite Festung auf einem Hügel links von der heutigen Bubeneibrücke. Zuletzt wohnten sie auf der Burg Wartenstein bei Lauperswil. Während drei Jahrhunderten verwalteten sie ihr Besitztum im Oberemmental, das damals zum Deutschen Reich gehörte. In der Kirche Lauperswil ist ihr Wappen auf einer farbigen Glasscheibe zu sehen (Adler über zwei schwarzen Querbalken in goldenem Felde). Es befindet sich auch auf der Schützenfahne von Aeschau.

Ein Freiherr von Schweinsberg bekam vom Kaiser den ehrenvollen Auftrag, den Gotthardweg zu bewachen. Auf der Burg Attinghausen im Urnerland siedelte er sich an. Er und seine Nachkommen nannten sich bald «von Schweinsberg», später «von Attinghausen». Sie waren mit dem Bergvolk von Uri eng verbunden. Werner von Schweinsberg-Attinghausen half 1291 die Eidgenossenschaft zu gründen und war einer der Anführer in der Schlacht am Morgarten.
  
 
Von den Freiherren auf Signau
 
Zur Freiherrschaft von Signau gehörten die heutigen Gemeinden Signau, Eggiwil, Röthenbach und Biglen.
 

Werner von Signau wird als erster 1130 in einer Urkunde des Klosters Trub erwähnt. Eine Tochter Ulrichs von Signau, namens Anastasia, war die Gemahlin des Grafen Eberhard von Kyburg (1326), der seinen Bruder Hartmann auf Schloss Thun aus einem Fenster werfen und ermorden liess.
 
Henmann von Signau fiel im Heere Leopolds von Österreich in der Schlacht bei Sempach (1386). Mit ihm starb der letzte weltliche Spross der Freiherren von Signau. Sein Name ist in der Schlachtkapelle von Sempach zu lesen.
 

Signau kam an Kyburg und wurde 1399 von Gräfin Anna von Kyburg den Bernern verkauft «mit Leuten, mit Gut, mit Gerichten, Twingen und Bännen, mit Zehnden, mit Vogteien, mit Mülinen, mit Blöwen [Stampfen], Saagen, mit Stock und Galgen».
 

Schon 1399 verkaufte Bern die Herrschaft Signau seinem Mitbürger Johann von Büren um 1100 Gulden. Sein Nachkomme Ludwig von Diessbach verkaufte Signau dem französischen General Morelet. Dieser vornehme Herr hatte vom König von Frankreich 15’000 Kronen empfangen, die er den Gnädigen Herren von Bern hätte abliefern sollen für das Recht, im Bernbiet Söldner für Frankreich anzuwerben (Pensionsgeld). General Morelet verbrauchte dieses Geld für sich. Um sich schadlos zu halten, übernahm Bern von ihm die Freiherrschaft von Signau um 10’000 Kronen (1529); 5’000 Kronen blieb er schuldig.
 
Die Berner Regierung schuf aus dieser Freiherrschaft die Landvogtei Signau, welche bis zum Untergang der alten Eidgenossenschaft (1798) bestand.
  
 
Eggiwil wird selbständige Gemeinde 
   
Vorher bildeten Eggiwil und Signau eine grosse Kirchgemeinde (Kilchhöri). Die Eggiwiler hatten den Gottesdienst in Signau zu besuchen, und zwar ausser dem Sonntag noch am Montag, Mittwoch und Freitag. Nur in der Erntezeit fiel der werktägliche Gottesdienst aus. Das Kirchengeläut am Freitagmorgen erinnert noch heute an die Werktagspredigten. Der Predigtbesuch war obligatorisch. Von den abgelegenen Höfen besuchten nicht alle die vorgeschriebenen Gottesdienste in Signau. Gerade die Täufer lehnten einige Dogmen der Staatskirche ab. Sie weigerten sich, Waffen zu tragen, Eide zu schwören und tauften ihre Kinder erst später, wenn diese den Sinn der Taufe auch verstanden. Damit waren sie der Regierung ein Dorn im Auge. Um diesem Zustand entgegenzutreten, liess die Obrigkeit zuerst die Kirche bauen und setzte später Täuferjäger ein. Die wegen ihrer Ehrlichkeit geschätzten Täufer wurden teilweise hingerichtet, nach Amerika oder Ostindien deportiert, aber auch als Rudersklaven auf venezianische Galeeren verkauft. Die Eggiwiler sahen diesem Treiben mit ungutem Gefühl zu und halfen nicht selten, trotz massiver Strafandrohung, den Verfolgten.
 
Nach dem Gottesdienst wurde das verkündet, was heute im «Anzeiger» zu lesen ist (z.B. Eheverkündungen, Erlasse der Regierung). 1631 ist die Kirche erbaut worden. Der Pfarrer von Signau hatte sie zu bedienen, bis 1646 südlich der neuen Kirch ein Pfarrhaus gebaut wurde. 
 
1648 wurde Eggiwil eine selbständige Gemeinde und erhielt seine heutige Umgrenzung.
 
Mit dem Pfarrer bekam es auch sein eigenes, geistliches Gericht, das Chorgericht.
 

Es bestand aus dem Prädikanten (Pfarrer) und sechs Chorrichtern, ehrbaren Männern aus der Gemeinde. Seine Aufgabe war, Predigt- und Abendmahlsbesuch, wie auch den Lebenswandel der Eggiwiler zu überwachen. In der Gemeinde gab es eine Art Spione, die «Heimlicher», welche dem Chorgericht anzeigen sollten, wer gegen Anstand und Sitte verstiess. Sie haben oft über die Stränge geschlagen, unsere Vorfahren! Hier einige Beispiele:
 
Der Wirt in der «Pintenschänke» wurde gebüsst, wegen Überwirtens. Im Sommer war um zehn Uhr und im Winter um neun Uhr Wirtschaftsschluss! - Andere wurden gebüsst, weil sie an einer Hochzeit getanzt und musiziert hatten. - Josi Schmutz wurde «wegen seines Fluchens und Schwörens» um einen Gulden gestraft und dem Herrn Landvogt «verleidet» (angezeigt). - Peter Peter musste vor dem Chorgericht erscheinen, weil er «an zwei Sonntagen bis zur Kirche, da er zur Predigt gehen wollte, Tabak geraucht habe». Obwohl er behauptete, «seine Zähne hätten geschmerzt», wurde er «um zwei Pfund gestraft». -Dreiundzwanzig Eggiwiler sind am «9. April 1680 vor das Chorgericht zitiert worden», weil sie an einem Sonntag während der Kinderlehre «Kruglen geschlagen oder ghurnausset» haben. Weil sie «um Verzeihung baten», wurden sie entlassen. - Ein Mädchen, das einen unsittlichen Lebenswandel führte, musste zur Strafe «die Züpfen aufbinden». (So war es den Sticheleien und dem Gespött seiner Mitmenschen ausgesetzt, denn ledige Mädchen liessen die Zöpfe hängen.)
 
Dass die Eggiwiler zu einer eigenen Kirche kamen und sich so den zeitraubenden Weg des Kirchgangs nach Signau ersparen konnten, hatten sie indirekt den Täufern zu verdanken. 
  
 
Ulli Galli vom Giebel, ein Hauptrebell und «Redlinführer» im Bauernkrieg
 
Ursachen, Verlauf und bitteres Ende dieses unglückseligen Krieges sind wohl allgemein bekannt, so dass wir hier vor allem unseres Mitbürgers und draufgängerischen Mitanführers Ulli Galli gedenken möchten.
 

Noch heute steht auf dem Giebel das Haus, wo er als wohlhabender Bauer und Pferdezüchter lebte. Einzelne Teile dieses Hauses sind noch jetzt in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten.
 

Ulli Galli ist wohl Zeit seines Lebens ein aufbrausender Feuerkopf gewesen. Schon 1641 war er als Hauptsprecher mit Hunderten von bewaffneten Bauern vor das Schloss Thun gezogen, um die Freilassung des Aufwieglers Niklaus Zimmermann von Steffisburg, der dort gefangen lag, zu verlangen. Die gegen ihn Anno 1646 verfügte Scheltbusse war verdient! Trotzdem scheint er vom Landvogt geachtet worden zu sein, sonst wäre er wohl kaum 1648 Mitglied unseres ersten Chorgerichts und 1653 gar Kilchmeyer unserer Kilchhöri geworden.
 

Als im Mai 1653 20’000 Bauern vor der Stadt Bern lagen und sich der Obmann Niklaus Leuenberger auf Verhandlungen mit den Gnädigen Herren einliess und der Murifeldvertrag zustande kam, wurde Galli wütend. Er war «des Vorhabens gewesen, nach Eroberung der Stadt Bern die Obrigkeit und Einwohner «ußzurütten» und an derselben Stadt einen andern Rat setzen zu lassen». Er selber hätte «an des Herrn Sekkelmeisters von Werdts Stadt sein wollen» (so zu lesen im Thurmbuch des Gerichtsschreibers neben zwanzig andern Anklagen, Staatsarchiv Bern).
 
Als der Krieg am Pfingstsonntag 1653 im Gefecht auf dem Friedhof von Herzogenbuchsee sein bitteres Ende fand, habe er «im Ländergebiet ein Weid empfangen gehabt. Er sei nachts nach Hause gekommen, um etwas zu holen. Als er wieder fort wollte, wurde er auf dem Giebel im Eggiwil gefangen genommen», schrieb Hans Schenk von Röthenbach in seiner Chronik. Landvogt Zehnder von Signau lieferte ihn nach Bern in den Käfigturm ab. Hier wurde er «teils ernstwörtig, teils mit angewandter, notwendiger Marter examiniert und befragt. Er wurde ein Mal leer und das andere Mal mit dem 70 Pfund Stein aufgezogen» (auf der «Strecki»).
  
Nach seinem Bekenntnis haben die Gnädigen Herren Räte und Burger bei ihrem Eid zu Recht gesprochen und erkannt, dass Ulli Galli dem Nachrichter anbefohlen werde, der ihn unten auf die gewöhnliche Richtstatt (zum untern Galgen) führen und daselbst mit dem Strang vom Leben zum Tode hinrichten solle.
 
Am 25. Oktober 1653 wurde das Urteil vollstreckt. Im Mai 1654 schrieb der Berner Professor Haller in sein Tagebuch: «Im Mai hat man den erhenkten Ulli Galli von dem Galgen abgeschnitten, welcher hernach aus oberkeitlichem Befehl vom Meister Michel, dem Scharpfrichter, wiederum mit einer Kette unter den Armen aufgehenkt und der abgehowene Kopf an das Corpus gesetzt wurde. Ist dieser also zum anderen Mal gehenkt und einmal geköpft worden.»
 
Homepage der Gallis in Amerika 
  
 
Die Franzosen kommen!
 
Die Schweiz musste erobert werden! Die Franzosen wollten die Alpenpässe in ihrer Hand haben und das schweizerische Geld für Napoleons Ägypten-Feldzug.
 

Die Schweiz wurde zuerst von innen angegriffen. Was man mit Zunge und Feder erreichte, sparte französisches Soldatenblut. Die Hetzerei gegen die Regierung war erfolgreich, ganz besonders im Emmental.
 
In den letzten Tagen des Februars 1798, kurz vor dem Einmarsch der Franzosen, kamen die Vorgesetzten der Gemeinden Langnau, Trub, Signau, Eggiwil und Röthenbach auf Anstiften des Hauptmanns und Landseckelmeisters Siegenthaler aus Trub in Langnau zusammen.
 
Langnau führte das Wort, zog Signau und Trub auf seine Seite und beredete sie, von der Regierung die Abdankung zu begehren, sonst würden sie die Füsilierkompanien des Regiments Emmental nicht ausziehen lassen (nach R. Feller).
 
Eggiwil und Röthenbach aber machten nicht mit: «Die heut versammelte große Gemeinde Eggiwil erkennt einhählig: Eggiwil, welches mit der Regierung unserer Hohen Obrigkeit gänzlich zufrieden, wünscht herzlich, dass der Herr aller Herren unsere hohe Obrigkeit noch ferner aufrecht und in Ruhe und Wohlstand erhalten wolle. Die Gemeinde wolle unserer hohen Obrigkeit überlassen, was denen Klugheit und landesvätterliche Fürsorge das Beste zu sein erachten werde. Mit dem, was andere Gemeinden für Schlüsse abgefasst, wolle die Gemeinde Eggiwil nichts zu tun haben…» (Staatsarchiv des Kantons Bern: Wehrwesen bis 1798, Nr. 365)
 
Und dann wurde das bernische Heer im Grauholz geschlagen, während die Franzosen bei Neuenegg in die Flucht gejagt wurden.
 
Von den Auszügern der Kilchhöri Eggiwil sind damals für die Heimat gefallen: Christian Joost, Peter Müller, Hans Wiedmer und zwei Auszüger namens Hans Wittwer.

 
Franzosen im Eggiwil
 
Dem Wirt Oppliger in der «Pinten» musste für die Einquartierung französischer Truppen mehrmals Entschädigung bezahlt werden. 
 

Der Kommissär Röthlisberger zu Langnau verlangte immer wieder Kriegssteuern. Gerichtssäss Haldimann im Hofacker war verpflichtet, diese Steuern in der Kommune Eggiwil einzutreiben. Er haftete mit seinem Vermögen. Der Distrikt (das Amt) verlangte für die Franzosen Fleischkühe, Pferde und Fuhrungen nach Belfort und Zürich.
 

«Es ist toll und rasend, etwas Gutes in seinem Lande durch ein fremdes Volk bewirken zu wollen!» Über die Wassersnot vom 12. August 1837 schreibt Christian Haldemann von Horben in seiner «Beschreibung der Gemeinde Eggiwil»:

In der Zihlmatt, Freudisey und der Luchsmatt wurde alles Erdreich, welches nahe am Röthenbach lag, mit Kies überführt, die Getreide samt der neuerbauten Sägemühle in der Luchsmatt unbrauchbar gemacht, indem es den Bach mit Schlamm auffüllte und die Wasserräder zertrümmerte. Auch wurde hier bei drei Jucharten gutes Land fortgeschwemmt.

Die Leimen ist so verkiest, dass dieselbe keinen Wert mehr hat. Hier mussten die Bewohner sich flüchten, weil die Stuben durch das Wasser vernichtet, und der Stall mit zwei darin befindlichen Kühen weggeführt wurde. Die Kühe wurden aber eine beim Dorf Eggiwil und die andere zu Aeschau lebend aus den Wogen gerettet.

Von da bis ins Dorf Eggiwil sieht es wenig besser aus. Der Röthenbach nahm seinen Lauf gegen die dortigen Sägemühlen und richtete eine Schauder-Szene an, die Trauer und Entsetzen darbot. Die beiden Sägemühlen nebst den meisten Trämmlen, der Schopf, der Wagenschopf nebst einem grossen Wagen, ferner das Feuerspritzenhaus samt der Spritze wurden ganz fortgeschwemmt. Ferner nahm die Flut Gemäuer zu einem neuen Hause samt dem Fundament und führte die Ecksteine mehrmals 100 Schritte mit sich.» Dieses Haus wurde ein Jahr später in prächtiger Form wieder aufgebaut und ist heute die Dependance zum Gasthof Bären. Eine Inschrift auf den Windladen vor der «Ründi» erinnert an diese «Schauder-Szene». «Auch vernichtete sie dort zwei Wohnungen gänzlich. Ja, dies alles ist grässlich! Aber das Bedauerungswürdigste war doch wohl dieses, dass der alte lahme Säger Schenk, der sich mit seiner Gattin in einer Matte befand, von den reissenden Wogen niedergeworfen wurde. Seine Frau wurde links gegen den Röthenbach und er, Schenk, rechts gegen die Emme zugeschwemmt, wo er sich an einer Esche festklammern konnte da wie durch ein Wunder gerettet wurde. Die Frau fand man hingegen in der Bubenei-Matte tot.» Aus dem Sonderbundskrieg von 1847 nur ein kleines Geschichtlein: Die wehrfähige Mannschaft war mit Oberst Ochsenbein, Luzern zumarschiert und die Zurückgebliebenen hatten Angst, die Luzerner könnten über die «Höger» ins Eggiwil einfallen. Darum verpackte eine reiche Eggiwilerin ihr Silbergeld in ein Säcklein und versenkte es im «Bschüttiloch». Als General Dufour die Sonderbündler besiegt hatte und wieder Friede war im Lande, mussten Knechte und Mägde der reichen Bäuerin am Abend, statt Äpfel zu rüsten, die schwarz gewordenen Münzen putzen.
 
Während der beiden Grenzbesetzungen 1914-1918 und 1939-1945 haben unsere Soldaten nicht als Paradetruppen, aber treu und zuverlässig ihre Pflicht erfüllt.
 

Im Eggiwil-Dorf und später in einem Barackenlager auf Siehen waren fremde Soldaten interniert. Zuerst waren es Algerier, dann Elsässer, Italiener und zuletzt Russen. Sie schienen sich bei uns wohl zu fühlen. Wenn die Russen Ausgang hatten, bestellten sie in den hiesigen Wirtschaften - wohl in Erinnerung an den Wodka ihrer Heimat - «Bätziwasser» halbliterweise.
 
Peter Rindisbacher wurde am 12. April 1806 als drittältestes Kind von Peter und Anna Barbara Rindisbacher im Luchsmattli, Eggiwil geboren.

 

Mit seiner Familie und weiteren 180 Leuten aus dem Kanton Bern reiste er 1821 nach Kanada ins Red River Valley. Auf der 79-tägigen Seereise und dem beschwerlichen Weg weiter nach Westen zeichnete der talentierte Peter Rindisbacher Begebenheiten und Szenen aus seiner Umgebung. Er konnte seine Zeichnungen gegen überlebenswichtige Esswaren und Pelze eintauschen. So rettete der 16-Jährige die ganze Auswanderergruppe mit seinem Zeichentalent vor dem Hungertod. 
  
  
  
Die Ojibwa-Indianer und deren Häuptling, den er mit Pflanzenfarben der Indianer malte, meinten, er besitze eine Zaubergabe und verehrten ihn dem entsprechend.
 
1829 siedelte Peter Rindisbacher nach St. Louis über, wo er 1834 unter unbekannten Umständen starb.
 
Seine Werke wurden erst um 1930 wieder neu entdeckt. Er war der allererste Indianermaler und schuf mit seinen Zeichnungen ein historisches Zeitdokument von unschätzbarem Wert. Im Jahr 2004 wurde zu Ehren von Peter Rindisbacher und seinen Zeichnungen in der City of Winnipeg, Kanada eine Gedenktafel aufgestellt, welche an die zahlreichen und historisch wertvollen Arbeiten erinnert. 
 
Gedenktafel in der City of Winnipeg, Kanada 
Weitere Infos zu Peter Rindisbacher

Nach dem berüchtigten Hungerjahr 1817 begann die bis dahin von den Bauern mit Skepsis betrachtete Kartoffel das Korn zu verdrängen. Die Produktion des zum kulinarischen Markenzeichen gewordenen "Emmentalers" erfolgte bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts nahezu ausschliesslich auf den von sogenannten "Kühern", betreuten Alpen. Der Handel mit dem im In- und Ausland begehrten Käse jedoch blieb hauptsächlich reichen Talbauern und Stadtbürgern vorbehalten.
 
Als ältester Sohn des Gerbermeisters Simon Christian Stettler wurde Karl Stettler am 6. Juni 1861 in Eggiwil, untere Leimen, heute Gerbe, geboren. Er erlernte im Geschäft seines hoch angesehenen Vaters, unter anderem Grossrat, Gemeindepräsident von Eggiwil, später Pächter des Sternern in Worb und anschliessend Bären in Oberdiessbach, den Gerberberuf. Karl war ein äusserst kräftiger Jüngling und in Turner- und auch in weiteren Sportkreisen galt er als einer der besten Schwinger des Emmentals, da er mit aussergewöhnlichen Körperkräften und einer höchst imponierenden Muskulatur ausgestattet war. Im Jahre 1886 wanderte er von der unteren Leimen nach Amerika aus. Im Jahre 1903 liess er sich in einer Heimstätte in der Nähe des heutigen Städtchen STETTLER in der Provinz Alberta in Kanada nieder und gründete dort unter dem Namen "Blumenau" im Jahre 1905 eine neue Schweizerkolonie. 
  
  
  
Ebenfalls im Jahr 1905 wurde Karl Stettler von den Verantwortlichen der Central Pacific Rail Road (C.P.R.R.) zu ihrem Landagenten ernannt. Ihm zu Ehren legten die Verantwortlichen der C.P.R.R. an ihrer Bahnlinie und in der Nähe des damaligen "Blumenau" eine neue Stadt unter dem Namen STETTLER an. Das ganze bisherige "Blumenau" wurde hierauf nach STETTLER transferiert. 
  
  
  
Karl Stettler starb am 1. Februar 1920 im Alter von 59 Jahren in einem Hospital in Memphis. 
 
Homepage von Stettler in Amerika: www.stettler.net 
Bericht aus der Wochen-Zeitung:  klicken Sie hier...
  
 
Eggiwil gehört seit dem 1. Januar 2010 zum Verwaltungskreis Emmental (ehemals Amtsbezirk Signau) und ist darin mit 60 km2, flächenmässig die zweitgrösste Gemeinde; gemeinsame Grenzen hat sie mit Signau, Langnau, Trubschachen, Trub, Schangnau, Röthenbach und Marbach LU. Die höchste Erhebung ist der Wachthubel (1414m). Die Streusiedlung der Gemeinde Eggiwil hat ihre Konsequenzen. Die Kinder werden nämlich in 7 Schulbezirken unterrichtet (davon 5 Gesamtschulen). 
 
Am 22. September 2010 wurde Simonetta Sommaruga anlässlich der Ersatzwahl für Moritz Leuenberger mit 159 Stimmen im vierten Wahlgang in den Bundesrat gewählt. Mit der 50-jährigen Könizerin ist damit auch die Gemeinde Eggiwil in einem gewissen Sinne in der Landesregierung vertreten. Simonetta Sommaruga ist mit dem Schriftsteller Lukas Hartmann verheiratet, hat Heimatort Eggiwil und wohnt in Spiegel bei Bern.
 
Ausgangspunkt ihrer politischen Karriere war ihre Tätigkeit als Geschäftsführerin der Stiftung für Konsumentenschutz, die sie von 1993 bis 1999 engagiert ausübte und die sie in der Deutschschweiz öffentlich bekannt machte. Von 1999 bis 2003 war sie Nationalrätin und seit 2003 gehörte sie dem Ständerat an.
 

 

Bilder aus vergangenen Zeiten


Das historische Lexikon der Schweiz (HLS)

 

www.hls.ch